Eine Erinnerung an Rainer Werner Fassbinder Er hätte gern an einem Buch über Michael Curtiz mitgeschrieben, nicht nur wegen CASABLANCA, sondern weil Curtiz mehr als hundert Filme gemacht hat. Was ihn reizte, war für uns unmöglich. Denn wie lange hätten wir gebraucht, die mehr als hundert Filme zu sehen - und ohne eine möglichst komplette Retrospektive für alle, die mitschreiben wollten, hatten wir nie ein Buch zu machen uns erlaubt -, und wie umfangreich wäre ein Buch über mehr als hundert Filme geworden. RWF stand am Flipperapparat in der Bar Majestic, in einer kleinen Seitenstrasse zwischen Croisette und Rue d'Antibes, als wir über Curtiz sprachen, und vorn auf der Maschine lag noch seine brennende Zigarette, während er sich eine neue ansteckte. So habe ich ihn immer erlebt: pausenlos rauchend, und bei Fernsehsendungen mit ihm musste stets die Feuerwehr bestellt werden. Damals in Cannes lief ANGST ESSEN SEELE AUF im Wettbewerb, und Brigitte Mira sollte als beste Darstellerin ausgezeichnet werden. Fassbinder in Cannes war wie Fassbinder überall: er arbeitete unentwegt. Damals, im Mai 1974, kam er in die Kneipe und zum Flippern nur zur Erholung aus seinem Hotelzimmer, in dem er für Brigitte Mira das Drehbuch von MUTTER KÜSTERS' FAHRT ZUM HIMMEL schrieb - dem fünften Film nach ANGST ESSEN SEELE AUF, während MARTHA, FONTANE EFFI BRIEST und FAUSTRECHT DER FREIHEIT schon abgedreht oder ganz fertig waren und vorher noch das Fernsehspiel WIE EIN VOGEL AUF DEM DRAHT in einer Drehzeit von sechs Tagen entstehen musste.
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